Freedom’s just another word for nothing left to lose
Sabine Schmidt (im "Standpunkt", 12/1999)

Manchmal muss ich an diese weisen Worte denken. Vor allem dann, wenn ich meine Sozialversicherungsbeiträge einzahle…
Ich habe mich nach Abschluss meines Übersetzerstudiums für eine Laufbahn als selbständige Übersetzerin entschieden. Mein Beruf macht mir Spaß. Das Vergnügen wurde allerdings durch die Einführung der Versicherungskategorie "Neue Selbständige" per 1.1. 1998 erheblich gemindert. Als ich den Weg in die Selbständigkeit wählte, beruhte diese Entscheidung nämlich unter anderem auf der Annahme, dass man als Freiberufler auch die Freiheit haben würde, seine soziale Absich-rung selbst und nach eigenem Ermessen zu gestalten.

Das wird aber immer schwieriger. Der "soziale Schutz", den mir die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft nun angedeihen lässt, hatte mir im Jahr 1999 satte 15,5 Prozent meiner Einkünfte für die Pensionsversicherung und weitere 9,1 Prozent für die Krankenversicherung wert zu sein. Der Clou: Der Prozentsatz für die Pensionsversicherung steigt bis 2009 jährlich um 0,5 Prozent an! In zehn Jahren soll man also rund 30 Prozent seiner Einkünfte nur für die Pflichtversicherung aufwenden. Rechnet man noch die Steuern hinzu, dann erreicht man – auch ohne Großverdiener zu sein – relativ rasch eine Abgabenlast von fast 50 Prozent.

Vor allem für Selbständige, die sich erst auf dem Markt etablieren müssen, macht es diese Zwangsbeglückung fast unmöglich, tatsächlich benötigte Schutzmaßnahmen zu finanzieren. Wer im Krankheitsfall kein Geld bekommt, von bezahltem Urlaub nur träumen kann und auch bei Arbeitslosigkeit (=schlechte Auftragslage) sich selbst überlassen ist, müsste für solche Fälle selbst Vorsorge treffen können. In der derzeitigen Situation bleiben dafür jedoch kaum Mittel über – vor allem, da die erwähnten Beitragssätze bereits ab einem Monatseinkommen von öS 7.400,- zum Tragen kommen. Nach Abzug der Pflichtversicherung (öS 1.800,-) unterschreitet man mühelos jegliche Armutsgrenze. Vielleicht kann mir jemand erklären, wo da der "soziale Schutz" ist?

Ich will hier keiner "Jeder ist sich selbst der Nächste"-Philosophie das Wort reden und bin auch bereit, im Sinne der gesellschaftlichen Solidarität meinen Beitrag für ein Sozialversicherungssystem zu leisten, das von den zuständigen Entscheidungsträgern in verantwortungsvoller Weise so umgebaut wird, dass es seine Aufgaben auch langfristig erfüllen kann und nicht alle paar Jahre vom Kollaps bedroht ist. Leider sind aber keine diesbezüglichen Aktivitäten zu verzeichnen und so vermisse ich bei den betroffenen Politikern auch jegliche Solidarität mit Menschen wie mir, denn meine Generation (und nicht zuletzt die Gruppe der Selbständigen) zahlt den Preis für ihre Untätigkeit – und zwar doppelt: Heute leisten wir überhöhte Beiträge für ein sterbendes System, und morgen werden wir so gut wie nichts davon haben. Wir büßen für die (sozial-)politische Fahrlässigkeit der Regierung. Und das ist unerträglich.