Umfrage: 82
Prozent wünschen sich neue Partei
IMAS: ÖsterreicherInnen mit politischem Angebot kaum zufrieden
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Linz - Einen "alarmierenden
Wandel" im Bereich der Einschätzung der politischen Parteien in Österreich
durch die Bevölkerung zeigte das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS
am Mittwoch aufgrund einer kurz vor dem Jahreswechsel durchgeführten Umfrage
auf. Demnach ist die Zufriedenheit der Österreicher mit dem politischen
Angebot zuletzt stark gesunken. 82 Prozent halten das vorhandene Parteienspektrum
zumindest zeitweise für nicht ausreichend und wünschen sich für
die Lösung von aktuellen Problemen eine "neue" Partei.
IMAS legte Ende November/Anfang Dezember 2001 insgesamt 1.000 repräsentativ
für die Gesamtbevölkerung ausgewählten Personen drei "Aussagen"
vor. Die Befragten sollten daraus jene aussuchen, die am ehesten dem entspreche,
was auch sie denken. Dabei schlossen sich 18 Prozent der Meinung "Die politischen
Parteien, die es in Österreich gibt, bieten für jeden Staatsbürger
ein passendes Programm. Für mich ist eigentlich nicht schwer, mich für
diejenige Partei zu entscheiden, die mir zusagt und die meinen Vorstellungen
entspricht" an.
45 Prozent
mit keiner Partei einverstanden.
45 Prozent vertraten die Meinung "Im Grunde kann man mit keiner politischen
Partei ganz einverstanden sein. Manchmal wünsche ich mir eine neue Partei,
die mir besser zusagt und besser zu meinen Vorstellungen passt, als die jetzt
existierenden Parteien".
Und 37 Prozent stellten fest: "Ich bin mit den derzeit bestehenden Parteien
sehr unzufrieden. Meiner Meinung nach sollte es unbedingt eine ganz neue Partei
geben, die die heutigen Probleme grundlegend anders anpackt". Ganz besonders
unzufrieden mit den parteipolitischen Alternativen sind die Wiener und die Landwirte.
Bei den Anhängern der verschiedenen Parteien nehmen jene der FPÖ laut
IMAS eine Sonderstellung ein: "Ihnen scheint das Auffinden einer politischen
Heimat geringere Mühe zu bereiten als den Sympathisanten von SPÖ und
ÖVP".
1974 noch 55 Prozent "sehr zufrieden"
IMAS hat derartige Umfragen bereits mehrmals seit dem September 1974 durchgeführt.
Damals erreichte der Anteil jener, die mit dem politischen Angebot "sehr
zufriedenen" sind, 55 Prozent und ist seither ständig gesunken auf
die zuletzt gemessenen 18 Prozent. Der Anteil der "mäßig Zufriedenen"
ist von ursprünglich 34 auf bis zu 53 Prozent im Oktober 1987 gestiegen
und bis Juli 1995 nahezu immer auf diesem Niveau geblieben. Erst jetzt ging
er auf 45 Prozent zurück.
Die massive Kritik am Parteienspektrum hielt sich mit anfangs elf Prozent, später
mit 15, 13, 17 und noch im Juli 1995 mit 20 Prozent in relativ engen Grenzen,
ist jedoch seit damals um 17 Prozentpunkte hinaufgeschnellt.
IMAS analysiert, es wäre sicherlich verfehlt, die im Gegensatz zu 1978
äußerst geringe Zufriedenheit mit dem politischen Angebot als ein
grundsätzliches "Versagen" der Parteien auszulegen: "Weit
eher dürfte die Ursache des Unbehagens in Entstehen eines neu entstandenen
Erklärungsbedarfes in Themenbereichen wie unter anderem Globalisierung,
EU, Osterweiterung, neue Informationstechnologien, biomedizinische Entwicklung,
Energiegewinnung, Umweltschutz oder Wanderungsbewegung zurückzuführen
sein". Das seien Problemstellungen, die sich nicht in die klassischen Rechts-links-Muster
einordnen ließen. (APA/Der Standard)